Helmut W. Karl: Portrait

 Helmut W. Karl

Frischer Geist in alte Flaschen


Lernen heißt eigentlich: 'Gescheiter werden'

(Frühe Schuljahre - was sie mich gelehrt haben)

Die intensivsten Erinnerungen an meine Schulzeit liegen einerseits im ersten Schuljahr (Lebensalter 6 bis 7 Jahre) und im achten Schuljahr (Lebensalter 13 bis 14 Jahre), anderseits die dann folgenden Jahre (14 bis 18 Jahre) der Berufsausbildung.

Die Jahre dazwischen muten mich wie eine Wanderung im dichten Nebel an. Nach meinem 19. Lebenjahr besuchte ich keine Schule mehr und wurde für den Rest meines Lebens zum Autodidakten ("Selbstlehrer").

Gelegentlich tauchen recht verschwommen Erinnerungen an Schulzeiten auf, wo ich mich selbst ganz vernebelt fühle - in meiner Erinnerung gibt es kaum Bilder von Klassenzimmern, von Schulkameraden oder Lehrern, aber viele "Bilder" des sich-verloren-, verirrt- und verwirrt-Fühlens.

Die Jahre zwischen meinem zehnten und fünfzehnten Lebensjahr verbrachte ich in verschiedenen Internaten und besuchte Schulen, von denen ich kaum Erinnerungen habe. Jedoch sind da wohl einige - auch nicht übermäßig viele - Erinnerungen an die Internate, die Kameraden und Ereignisse dort.

Mein vorherrschendes Gefühl in Bezug auf meine Schulzeit und die Bildung, die ich dort "genießen durfte", ist am besten als "Abgetretensein" charakterisiert, als ein sich irgendwie am falschen Ort befinden. Ein schlechter Schüler war ich nie, aber ein besonders guter auch nicht.

Früh hörte ich, dass mit der Schule der "Ernst des Lebens" begänne. Ja, ernst waren sie, diese Jahre, und sie setzen im Grunde meiner "kindhaften Größe" ein Ende. Und von der fünften Schulstufe an begleitete mich ein "Etikett", das mir gewisser Maßen auf die Stirn geheftet war:

Schule des Lebens - Schule des Staates

"Der Bub könnte sehr viel mehr leisten, würde er sich nur mehr anstrengen." War ich also faul? Nein, aber ich lernte zu leicht und zu schnell, und die Schule war nie eine Herausforderung für mich.

Was niemand erkannte (und wohl auch niemand wissen wollte!), war einfach die Tatsache, dass ich einfach nicht begriff, was dies alles ("die Schule", "die Bildung" und so weiter) sollte. Wohl hatte ich zur Kenntnis genommen, dass die Schule "Pflicht!" war, also war ich anwesend, wozu aber, war mir ein Rätsel.

Für mich war das Leben und seine Anforderungen eine recht interessante, die Schule hingegen eine höchst langweilige Sache, die ich oft nur tagträumend durchstehen konnte. Das Lesen hatte ich schon vor dem Eintritt in die Schule einfach durch die Beobachtung meiner Umwelt (das heißt: der Menschen in meiner Familie) gelernt. Onkel und Tante lasen oft Geschichten vor, mit dem Zeigefinger der Schrift folgend.

Mir reichte das völlig, um das "Geheimnis" der Schrift zu ergründen, ich brauchte keinerlei Erklärung. Buchstäblich alles, was ich bis dahin "erlernt" hatte, war nach diesem Schema gelaufen: Ich beobachtete die Erwachsenen (und alles andere Geschehen um mich herum) und probierte alles, was mich interessierte, selbst aus, ohne dass mich irgend jemand angeleitet oder beaufsichtigt hätte.

Ich erinnere mich, dass ich meine Mutter und meinen Großvater in großes Erstaunen versetzte, als ich fragte "Warum sagt ihr Eisenhauer, wenn da (in der Zeitung) 'General Eisenhower' steht?" (Es muss etwa 1945/46 gewesen sein, die US-Armee hatte Österreich besetzt, meine Familie war noch nicht wieder in meine in den letzten Kriegsmonaten von Bomben bedrohte Heimatstadt zurückgekehrt.)

Lernen aus Neugierde

Mein intensiver Beobachtungs- und Probierdrang (und mein jeder Beaufsichtigung Ausweichen) brachte mir auch Verletzungen ein, die mich aber nie bereuen ließen, was geschehen war - im Gegenteil, ich war oft stolz auf die verbliebenen "Spuren" meines "Forschungsdranges".

Ich erinnere eine Mühle samt Mühlbach und riesiger Maschinenhalle mit einer gewaltigen - durch Wasserkraft angetriebene - Triebwelle in Deckenhöhe, von welcher über lange Lederbänder verschiedene Maschinen zur Brotbereitung angetrieben wurden. Eine davon, eine Teig­knet­maschine, hatte es mir besonders angetan: Ein großer Knetarm ging hoch und tauchte in den rotierenden Teigbottich ein, immer wieder heraus, hinein. Der Teig nahm gar wunderliche, aber stets vergängliche Formen an, fasziniernd. lch stand oft vor dieser Maschine schauend, beob­achtend, mir (insgeheim) Fragen stellend und nach Antworten suchend.

Eine Antwort konnte ich offenbar nicht nur vom Zuschauen finden, ich brauchte vermutlich zusätzlich eine taktile (Berühungs-) Wahrnehmung, denn ich legte einen Daumen an das Gelenk des Knetarms, um seine Bewegung zu fühlen. Ich weiß heute nicht mehr, (habe es vermutlich auch nie genau gewusst,) was ich da fühlen wollte.

Tatsächlich fühlte ich etwas völlig Unerwartetes: Meinem Daumen wurde der Nagel und das erste Glied ziemlich flach gedrückt, er war zerquetscht, ohne dass die Maschine auch nur einen Mucks gemacht hätte. Ich selbst habe auch keinen Mucks gemacht, viel zu groß war die Befürchtung, zurecht- und mit "Hallenverbot" abgewiesen zu werden. So hat niemand etwas bemerkt, als ich klammheimlich, den gequetschten Daumen in der Faust versteckt, mich aus der Maschinenhalle stahl.

Erst nach zwei Tagen bin ich "aufgeflogen", weil ich beim Schulgebet partout nicht die Hände fromm falten wollte, sondern mit der linken Hand meine zur Faust gekrümmte rechte Hand fest umschloss. Als der Lehrer offenbar in Strafabsicht meine Hände auseinander zerrte, sah ich mit großem Staunen eine seltsame Verwandlung seiner Gesichtszüge "in Zeitlupe" ... es war das erste Mal, dass ich ein Geschehen in sehr genauen Detailbildern bewusst wahrnahm, welches in Wirklichkeit vielleicht nur Sekunden oder -Bruchteile dauerte, mir aber wie Minuten erschien.

Solche Wahrnehmungen erlebte ich später noch öfter, und sie wurden so etwas wie Schlüssel­erleb­nisse für mein Verständnis der Wirkungsweise des menschlichen Geistes - oder vielleicht sollte ich sagen: mein geistiges Bild davon?

Ich wurde zum Schularzt geschickt, der sich kopfschüttelnd meinen Daumen anschaute, ihn vereiste und mit einer Zange den Fingernagel abriss. Wieder war ich mit voller Aufmerksamkeit "ganz Auge" bei jeder Einzelheit der Behandlung und der "Zeitlupe" der Nagelextraktion. Der Arzt meinte, so einen tapferer Buben habe er noch nie gesehen, aber ich denke auch heute noch, dass mir die "Zeitlupe" half, den Schmerz durchaus erträglich zu empfinden.

Diese Erlebnisse waren im Frühsommer der ersten Klasse, also mit sechs Jahren. Ich schildere es hier deshalb, weil es mir einerseits sehr lebendig in Erinnerung ist, wie ich das erste Mal auf eine Wahrnehmungsweise aufmerksam wurde, und weil es so stark in Kontrast zu meinen übrigen Erinnerungen aus der Volksschulzeit steht: Die ersten vier Schuljahre sind in meiner Erinnerung sonst nur eine undruchdringliche Nebelwand.

Als Kind das Leben spüren

Die Sommerferien dieser Zeit (Grundschuljahre) haben hingegen durchaus bunte Erinnerungen voller Leben geschaffen. Von der "Schulbildung" dieser Jahre habe ich nur eine Art Grundtenor und das Gesamtergebnis in Erinnerung:

Der Grundtenor: Was auch immer es zu "lernen" gab, nahm ich schon beim "Vortrag" - besser: beim Vorzeigen - mit, es war mir immer ein Rätsel, was es da noch zu "lernen" geben sollte. Was an der Tafel (oder auf Schau- oder Tafelbildern) zu sehen war, reichte aus; mir war schleierhaft, weshalb wir dazu Sätze ins Heft abschreiben sollten. Mich zu widersetzen kam mir aber auch nicht in den Sinn, ich war ja "pflichtbewusst" erzogen worden.

Eine große einzige Ausnahme im Unterrichtserleben (soweit ich mich erinnere) war der Zeichenunterricht ... hier hatte ich viel zu probieren und zu üben, bis ich mit meinen "Kunstwerken" zufrieden war - doch das erwies sich bestenfalls als Hindernis, denn ich wurde nach Meinung der Lehrkraft nie fertig, weil ich zu viel "trödelte" und "träumte".

Ich habe nie verstanden, wie diese Leute herausgefunden haben wollten, dass ich träumte, während ich recht aufmerksam an meiner Fertigkeit "arbeitete". Aus heutiger Sicht war es einfach so, dass sie mich aus der täglichen Erfahrung als Träumer "kannten" und gar nicht gewahr wurden, dass ich beim Zeichnen und Malen mit voller Aufmerksamkeit dabei war.

Mit dem "Schulabschluss" der Grundschule (Volksschule) hatte ich - aus meiner Sicht - aus den vier Jahren Bildung gelernt:

  • still sein und mich langweilen;
  • wirkliche Aufmerksamkeit ist unpassend oder unerwünscht;
  • weiß man etwas "ohne Mühe", wird man als "vorlaut" gescholten und faul, bestensfalls als Träumer angesehen.
  • an einer Sache wirklich interessiert sein und fragen schadet nur, es heißt den Unterricht stören;
  • sage um Gottes Willen einfach nie, was du zur Sache weißt - dann bist du altklug und wirst "ins Ecke gestellt".
  • schweigen und sich dumm stellen ist besser als mitzureden: Lehrkräfte wollen vor allem sich selber reden hören.

Mit dieser "Grundbildung" hatte ich es in den nachfolgenden vier Schulstufen nicht leicht. Zwar war ich nie ein wirklich schlechter Schüler - in der dritten Klasse Mittelstufe (siebte Schulstufe) hatte ich eine "Nachprüfung" in Geschichte und Geographie, das hätte schief gehen können - es war das "Schlimmste" in meiner Schülerlaufbahn. Und ich fand bis zur achten Schulstufe nie "meinen Platz" in einer Klasse.

Copyright Helmut W. Karl © 2015

Ich danke herzlich für Ihr Interesse und Ihren Besuch und
wünsche Ihnen das Beste!
Helmut W. Karl

Die Sicht eines anderen, gewiss sachkundigen Menschen auf diese Problematik: Vera F. Birkenbiehl


Zum Titelbild: Wasser und der weite Horizont bilden gewisser Maßen das Sinnbild für alle Artikel in dieser Sait.

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Das Motto "Frischer Geist in alte Flaschen" geht auf ein sehr nettes Büchlein "Der Geist in der Flasche" zurück, in dem sich "der Geist" die bewegende Frage stellt "Bin ich eine Flasche oder hab' ich eine?" Mein Gedanke dazu war: Rüttle den Geist, der sich als Flasche sieht, auf und gib ihm ein frisches Leben!

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Copyright dieser Seite Helmut W. Karl (Impressum), Text publiziert 15Jan2015 & letzte Änderung: 04Mai2015.